#helptalkingabout

Unterstützt die Kampagne!

Wir, die wir in unserer Kindheit Gewalt erlebt haben, sollen unser Schweigen brechen. Heißt es. Das sei gut für uns. Heißt es. Und heilsam.

Wir, die wir in unserer Kindheit Gewalt erlebt haben, sind deine Familienangehörigen, Freunde, Arbeitskollegen und Chefs. Wir sind deine Nachbarn. Und Kinder.
Wir wurden geschlagen, gedemütigt und sexuell misshandelt. Wir wurden gemobbt und ignoriert, vernachlässigt und bedroht. All das hat Spuren hinterlassen. Gewalt vergisst man nicht.

Als Kinder durften wir nicht reden. Wir hatten Angst, wir schämten uns, fühlten uns schuldig. Wir mussten die Täter schützen. Häufig, weil wir sie brauchten. Sie liebten.

Heute, als Erwachsene, haben wir mit den Folgen unserer Erfahrungen und den Folgen des Schweigens zu kämpfen. Wir leiden unter Depressionen, Ängsten, Belastungsstörungen, Süchten und anderen psychischen und physischen Erkrankungen.

Wir müssen das Schweigen brechen, um das Erlebte zu verarbeiten. Ich glaube jedoch, dass das in Deutschland noch nicht möglich ist. Kaum jemand möchte damit belästigt werden. Zumindest nicht im persönlichen oder beruflichen Umfeld. Als Erwachsener riskiert man seinen „guten Ruf“, sein Ansehen, seine Karriere und Glaubwürdigkeit, wenn man erlebte Gewalt oder daraus resultierende psychische Erkrankungen thematisiert. Man verliert den Respekt seiner Mitmenschen, riskiert Gehaltseinbußen und Getuschel.

Bricht man sein Schweigen, wird man darauf reduziert, ein Opfer zu sein. Fähigkeiten und Qualifikationen verblassen. Jemanden als Opfer zu bezeichnen ist nicht nur in der Jugendsprache eher eine Beleidigung als eine Bekundung von Mitgefühl. Opfer sind schwach. Sie werden als wehleidig wahrgenommen.

Misshandlung ist und bleibt ein persönlicher Makel. Menschen sind peinlich berührt, wenn sie davon erfahren. Man redet noch immer nicht über „so etwas“. Gewalt wird bagatellisiert. Auch von Betroffenen. Zwangsläufig.

All dies lässt uns einsam bleiben, weil wir einen wichtigen Teil von uns verbergen müssen. Weil uns niemand wirklich kennt.

Das Leugnen und Bagatellisieren von Gewalterfahrungen macht eine nachhaltige Präventionsarbeit und Hilfe unmöglich. Wir müssen ehrlich zu unseren Kindern sein. Wir müssen sagen dürfen: „Es ist furchtbar, was du erlebt hast. Mir ist das auch passiert. Ich weiß wie du dich fühlst und ich helfe dir.“ Es ist nicht möglich, misshandelten Kindern und Jugendlichen ihre Scham zu nehmen, wenn erwachsene Betroffene sich weiterhin verstecken müssen.

Du fragst dich, was das mit dir zu tun hat?
Du bist selbst nicht betroffen und du kennst auch niemanden, der es ist?

Du siehst uns nur nicht.

Eine nachhaltige Bekämpfung von Gewalt gegen Kinder ist nur möglich, wenn wir alle ehrlich und respektvoll mit dem Thema umgehen und die Folgen von Gewalt benennen und anerkennen.

Deshalb bitte ich dich:

  • Mache das Problem öffentlich und hilf so, das Schweigen zu brechen.
  • Teile diesen Artikel auf Facebook und diskutiere ihn.
    #helptalkingabout
  • Poste deine eigenen Erfahrungen und Gedanken hier (unter „Eigene Erfahrungen“, oben auf der Seite) oder bei Twitter (#helptalkingabout).
    Warum unterstützt du diese Kampagne?
    Schweigst du selbst oder müssen es Menschen, die du kennst? Und warum? Was befürchten sie? Was befürchtest du?
    Hast du dein Schweigen bereits gebrochen? Wie haben deine Mitmenschen reagiert? Was ist passiert?
  • Sei mutig.
  • Frage nach, wenn jemand etwas andeutet. Sei parteiisch. Zeige Verständnis und Interesse.
  • Höre zu und hinterfrage deine eigenen Gedanken und Gefühle.
  • Sprich mit deinen Freunden, mit deiner Familie über das Thema. Rege einen Dialog an, diskutiere.

Tim Roth, ein britischer Schauspieler und Überlebender von sexueller Gewalt, der mittlerweile in Amerika lebt, hat mal in einem Interview gesagt: “There’s a quality about life here [in America; Anmerkung der A.] where people talk more, even about issues that in Britain are considered very private. It’s absolutely wonderful for someone who’s been living down a dark hole.“

Was Roth über Großbritannien sagt, lässt sich eins zu eins auf Deutschland übertragen: Noch ist Misshandlung Privatsache. Ich glaube aber, dass wir von der amerikanischen Gesprächskultur lernen können.

Wir brauchen eine Kultur der Offenheit, eine Kultur des Sprechens und Zuhörens. Wir brauchen die Bereitschaft, einander zu verstehen und mitzufühlen.

Wir brauchen den Mut und das Interesse unserer Mitmenschen. Auch wenn die Auseinandersetzung mit diesem Thema sie vielleicht mit ihrer eigenen Schuld, ihrem eigenen Schmerz konfrontiert.

Und wir brauchen eine angemessene therapeutische Versorgung. Es gibt in Deutschland keine ausreichenden Hilfs- und Therapieangebote für Opfer von Traumatisierungen im Kindesalter. Die Initiative „Phoenix“ kämpft leidenschaftlich und fundiert für eine Verbesserung der katastrophalen Therapiesituation in Deutschland und wird dabei von vielen Experten und Betroffenen unterstützt.

Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die sich diesem Thema gegenüber öffnet. Eine Gesellschaft, in der Überlebende ihr Schweigen brechen können.

Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der Gewalt an Kindern wirklich und von Herzen geächtet wird.

Trage dazu bei! Unterstütze die Kampagne!

Du kannst helfen.

Hannah (die aus den oben genannten Gründen noch zu viel Angst hat, ihren vollständigen Namen zu nennen und deshalb vorerst anonym bleiben möchte)

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Ein Kommentar zu „#helptalkingabout

  1. Ich glaube nicht dass es sinnvoll ist sich als Opfer allen zu outen. Es gibt nun mal schlechte Menschen und wird es immer geben. Ständig mit den alten Verletzungen in Verbindung gebracht zu werden scheint mir auch nicht erstrebenswert.
    Was ich klar unterstütze ist der Kampf gegen Kindesmisshandlung ,Kindesmissbrauch!

    Gefällt mir

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